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Archive for the ‘Ausland’ Category

Seit einigen Tagen führt die israelische Armee Schläge gegen die radikalislamische Hamas im Gazastreifen durch. Anlass dieser Militäraktionen war der Beschuss von Kassam-Raketen, die vom Gazastreifen aus auf jüdische Siedlungen abgefeuert wurden, vor allem auf die israelische Stadt Sderot, in der innerhalb von drei Tagen 158 Raketeneinschläge registriert wurden (http://www.n-tv.de/905957.html) Daneben wurde der Gazastreifen komplett abgeriegelt, keine Hilfslieferungen kommen von Israel mehr in das von der Hamas kontrollierte Gebiet.

Kritik für die militärischen Reaktionen Israels, bei welchen leider auch Zivilisten zu beklagen sind, kommt, wie so oft, von den Vereinten Nationen. Uno-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, John Holmes, appelierte zum Beispiel, „an Israel, die Luftangriffe auf Gaza einzustellen, und forderte zugleich die Hamas auf, den Raketenbeschuss israelischer Städte zu unterbinden.“ (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,529597,00.html)

Angesichts der Meldungen könnte der Eindruck entstehen, Israels Militärschläge im Gazastreifen würden sich kollektiv gegen die dort lebenden Palästinenser richten. In Wirklichkeit jedoch dienen die Angriffe Israels dazu, jüdische Städte und Siedlungen vor Beschuss durch Kassam-Raketen zu schützen, meistens werden aufgebaute oder im Aufbau befindliche Raketenstellung beschossen, militante Palästinenser quasi „in flagranti“ erwischt. (http://www.taz.de/1/politik/nahost/artikel/1/israel-kaempft-gegen-kassam-raketen/?src=HL&cHash=4741f67cd1)

Angesichts dessen frage ich mich, doch, warum die UNO Israel kritisiert, weil es sein Recht auf Selbstverteidigung wahrnimmt und den Schutz seiner Bürger vor Raketenterror gewährleisten will. Gerade im Bezug auf den Gazastreifen sollte man nicht vergessen, welche Zugeständnisse im Jahr 2005 gemacht wurden (Abkoppelung des Gebiets, militärischer Rückzug und Räumung aller(!) jüdischen Siedlungen). Diese Zugeständnisse an die Palästinenser haben sich für Israel jedoch fatal ausgewirkt, wenn man sich auf einer Tabelle ansieht, wie stark der Beschuss durch Raketen seit der Räumung des Gazastreifens gestiegen ist

raketen.jpg

Israel befindet sich trotz seiner militärischen Überlegenheit in einer schwierigen Lage. Ein Einmarsch in den stark bevölkerten Gazastreifen, der seit dem Bruderkrieg der Palästinenser 2007 von der Hamas kontrolliert wird, wäre sehr verlustreich für die Israelische Armee und würde die Ressentiments gegen Israel noch verstärken. Damit würde sich wohl auch der gemäßigtere Palästinenserpräsident Abbas aus den Verhandlungen zurückziehen und die Hamas vielleicht sogar die Kontrolle im Westjordanland an sich reißen.

Andererseits kann Israel es sich auch nicht leisten, überhaupt nichts zu unternehmen, wie die UNO oder die EU sinngemäß fordern. Eine Organisation wie die Hamas, die das Existenzrecht Israels nicht anerkennen will und alle Israelis am liebsten „zurück ins Meer“ treiben würde, kann für Israel kein Verhandlungspartner sein, genau so wenig wie andere Terrororganisationen wie der Islamische Djihad, dem die Hamas im Gazastreifen Handlungsspielraum einräumt. Die israelische Regierung unter Olmert kann es sich schlicht nicht erlauben, zu viel Schwäche zu zeigen. Weder im Bezug auf die Hamas, welche diese Schwäche auf jeden Fall ausnutzen wird, da ihr Kampf gegen Israel ein Kampf der Ideologie ist, auch nicht vor dem israelischen Volk, das verständlicherweise Schutz vor den Raketenangriffen fordert; und schon gar nicht im Bezug auf die arabischen Nachbarländer, die den „historischen Fehler Israel“ lieber heute als morgen korrigieren würden.

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Gerade im Zuge der jetzigen Diskussion über Jugendgewalt, ihre Ursachen und mögliche Lösungen, finde ich es interessant, etwas über das Thema Jugendkriminalität/-Gewalt in der Türkei zu hören; dem Land, aus dem der Großteil unserer jugendlichen Gewalttäter mit Migrationshintergrund kommt.

http://www.welt.de/politik/article1564507/Auch_die_Tuerkei_leidet_unter_Jugendgewalt.html

Die Essenz des Artikels kam für mich nicht gerade überraschend: Auch die Türkei hat ein Problem mit Jugendgewalt. Die Zahl der Taten, die durch Straftäter unter 18 Jahren begangen wurden, betrug sich 2006 auf 33.000, im Vergleich zur deutschen Kriminalstatistik des BKA mit 278.000 (!) Straftaten allein von den 14-18 Jährigen, eine verdammt niedrige Zahl. Jedoch kann man nicht ausschließen, dass diese Zahlen beschönigt wurden, um international gut dazustehen, außerdem spielt noch die Wachstumsrate der Jugendkriminalität eine Rolle bei der Betrachtung. „Es geht hier um eine Zunahme der Jugendkriminalität von rund 60 Prozent – pro Jahr. Das ist gut dreimal mehr als sonst wo auf der Welt“ sagt der türkische Pädagoge Adem Solak. 60 Prozent sind wirklich erstaunlich; in Deutschland hatten wir von 2005 auf 2006 einen Rückgang von -2,3 Prozent, und von 2004 auf 2005 einen Rückgang von -4,3 Prozent. Ich frage mich wirklich, wie man eine Zuwachsrate von 60% erklären will. Eine Explosion der Bevölkerungszahl hat es wohl kaum gegeben, die einzige Erklärung, die mir einfällt ist, dass die Taten erst in letzter Zeit genau dokumentiert und untersucht werden. Aber das ist, wie gesagt, bloß Spekulation.

In diesem Welt-Artikel kommen zwei Erklärungsansätze zur Geltung: Einerseits eine Binnenmigration in der Türkei (Türken aus dem rückständigeren, ärmeren Süden der Türkei ziehen in die besser entwickelteren Großstädte, was zu sozialen Spannungen führt), eine These, die ich für fragwürdig halte, da es hier zwar soziale Unterschiede gibt, die zu Reibereien führen könnten, die Ethnie, Sprache und Kultur jedoch gleich sind. Es wäre sicher die bequemere Erklärung, Adem Solak bringt jedoch noch eine andere, tiefgreifendere: Die türkische Erziehungskultur

Einerseits gab und gibt es sehr feste Familienstrukturen, die eigentlich der Kriminalität entgegenwirken. Andererseits wird in türkischen Familien oft Gewalt als Erziehungsmittel angewendet. Diese Gewalt geben die Kinder weiter – sobald die festen Familienstrukturen sich aufzulösen beginnen. Und diese tendenzielle Auflockerung der Familienstrukturen ist ein Merkmal des gesellschaftlichen Wandels in der Türkei; Gewalt wird in den Familien aber weiterhin traditionell angewendet.

Ich denke, hier liegt der Hund begraben, denn diese Familien- und Erziehungskultur wird von türkischen Migranten auch nach Deutschland exportiert, wo sie sich wunderbar entfalten kann, vielleicht sogar noch besser als in der Türkei, wenn es so ist, dass die Förderung ureigenster Traditionen umso stärker ist, je ferner die angestammte Heimat liegt. Solak trifft es meiner Meinung nach auf den Punkt: Gewalt in der Familie erzeugt wiederum gewalttätige Gedanken und Handlungen in den Köpfen der Kinder. Man spricht hierbei auch gerne vom Familienpatriarchat: keine Herrschaft der Männer, sondern vielmehr eine Herrschaft der Väter, die Macht und Gewalt über ihre Söhne und Töchter ausüben können.

Das Dilemma ist, dass die deutsche Regierung keinerlei geeignete Instanzen hat, dieser Erziehung, die augenscheinlich im krassen Widerspruch zu unserem Grundgesetz und den moralischen Normen seit Mitte des letzten Jahrhunderts steht, wirksam entgegenzutreten. Besonders im Jahr 2007 hat man so viele Berichte über Kindesmisshandlung und Verwahrlosung in deutschen Städten gelesen, wie kaum zuvor. Und noch nie wurde so deutlich, wie eingeschränkt die Kontrollmechanismen von Jugendamt und Sozialarbeitern wirklich sind. Der Einfluss des Staates auf die Erziehung wird faktisch nie so stark sein, dass allgemein anerkannte Normen durchgesetzt werden können. So entstehen Parallelgesellschaften. Und diese führen zu sozialen Spannungen, Missachtung der Gesetze und der Obrigkeit, und schließlich zur Kriminalität und Gewalttätigkeit.

Damit schließt sich der Kreis, auch im Hinblick auf die Türkei. Ich denke, beide Länder haben die selben Probleme, auch wenn die Auseinandersetzung mit dem Thema in der Türkei gerade erst begonnen hat, während bei uns bereits seit Jahren immer mal wieder eine Diskussion über Jugendgewalt gestartet wird, die dann von den verschiedensten politischen Gruppierungen torpediert wird (Linke, SPD, Grüne, Ausländerverbände), mit der Beschuldigung des Rassismus´ und der Ausländerfeindlichkeit. Vielleicht gelingt es ja der Türkei, diese Probleme direkter und pragmatischer zu behandeln als in Deutschland, ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die Entwicklung in beiden Ländern zukünftig verläuft und was für Schritte letztlich unternommen werden.

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http://www.welt.de/welt_print/article1550296/Hugo_Chvez_will_Terroristen_in_Kolumbien_aufwerten.html

Schon seit langem gilt der Venezuelanische Präsident und ehemalige Militär Hugo Chavez unter der deutschen linken Presse als Galleonsfigur für den Kampf gegen den US-Imperialismus, für einen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ und für die unabhängige Entwicklung der Andenländer.

Nun hat Hugo Chavez, der die USA mehrfach einen „terroristischen Staat“ genannt hat, vor der Internationalen Gemeinschaft die Aufwertung der kolumbianischen FARC zu „Aufständischen mit politischen Zielen“ gefordert. Das erscheint logisch, der Mann würde unglaubwürdig klingen, wenn er den großen Bruder im Norden als Terrorstaat bezeichnen und gleichzeitig seine offenkundige Sympathie für eine Terrororganisation bekunden würde. Daher rührt wohl sein Versuch, die FARC salonfähig zu machen. Doch inwiefern ist diese Aufwertung sinnvoll?

Warum sollte man eine Organisation von der Liste der internationalen Terroristen streichen, wenn sie ganz klar terroristische Akte verübt:Entführungen, Massentötungen von Zivilisten, Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten, Anschläge auf öffentliche Gebäude, Legen von Landminen, und das ganze finanziert durch Einnahmen aus dem Drogengeschäft und dem erpressten Geld der Zivilbevölkerung. Warum sollte man solch ein Vorgehen namentlich beschönigen, vor allem, da die FARC in der kolumbianischen Bevölkerung kaum Rückhalt hat und der Großteil der Kolumbianer die Gewalt und den Terror lieber heute als Morgen beenden würde? Nun, ich schreibe hier von der Sicherheit meines Schreibtischstuhls aus, ich will lieber einen deutschen Journalisten zitieren, der sich selbst in den Händen der FARC befand und das zweifelhafte Vergnügen hatte, die sogenannten „Aufständischen“ aus nächster Nähe kennenlzulernen:

„Unsere Entführer bezeichneten Indianer als „Tiere“. Ausländer sind grundsätzlich verdächtig und haben wie wir den Beweis anzutreten, keine „Feinde des kolumbianischen Volkes“ zu sein. Schon die Förderung des ökologischen Anbaus von Kaffee bei Kleinbauern kann dabei als das Verbrechen gewertet werden, „dem kolumbianischen Volk rückständige Produktionsmethoden aufzuzwingen“. Derweil lassen sich die Führer der FARC im Internet beim Lachsbrötchen-Essen in Norwegen ablichten, um internationale Anerkennung vorzutäuschen. Die „Truppe“ selbst kann buchstäblich nichts – außer Schießen. Die mentale, organisatorische und technische Inkompetenz unserer Entführer hat uns fast mehr Angst gemacht als die Entführung selbst. Wir haben unsere Entführer vor allem als gewalttätige, hilf- und ahnungslose Strauchdiebe unter Führung eines psychopathischen Kommandanten erlebt.“ (Thomas Künzel auf http://www.farc.de)

Wenn ihr mehr über Venezuela und die Politik Chavez´ erfahren wollt, kann ich euch dieses Video empfehlen. Einen Beitrag des auf arte ausgestrahlten Magazins „Mit offenen Karten“:

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http://www.guardian.co.uk/international/story/0,,2186573,00.html

Als ich heute einen Kollegiaten fragte, was er denn nach seinem bestandenen Abitur machen wollte, nannte er mir einen Ort, den er selbst nur als das „Paradies“ bezeichnete: Die Moskitoküste in Nicaragua. Das mittelamerikanische Land gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und die Menschen an der Küste leben mehr schlecht als recht vom Hummerfang. Oder besser gesagt: lebten. Neuerdings finden immer mehr Fischer an der Küste das, was sie euphorisiert als „weißen Hummer“ bezeichnen- kiloweise Päckchen reinsten Kokains.

Die Herkunft des Stoffes ist recht simpel: Kolumbianische Drogenschmuggler fahren die Küste Nicaraguas ab und werden dabei häufig von nicaraguanischen und US-amerikanischen Patrouillenbooten verfolgt. Um sich der Beweislast zu entledigen, werfen die Schmuggler das Kokain über Bord und die Meeresströmung treibt die Päckchen an die Küste zu den versprengten Fischerdörfern, wo sie von den dort lebenden Fischern an Land gebracht werden. Aus westlicher Sicht mag es anrüchig erscheinen, aus Drogen Profit zu schlagen, doch die an der Küste lebenden Fischer sind arm und der Fund eines Päckchens Kokain stellt für sie einen Lottogewinn mit Zusatzzahl dar, weil sie es an die kolumbianischen Schmuggler verkaufen und damit für dortige Verhältnisse sehr vermögend werden können.

Ich persönlich bin mir nicht sicher, wie ich die Sache bewerten soll: Einerseits erhöht der Drogenfund und Verkauf den Wohlstand der dortigen Fischer, die das Zeug aus dem Meer holen und damit auch den Wohlstand ihrer Gemeinde, da der Erlös größtenteils vor Ort investiert wird, auch für Kirchen, Schulen und Krankenhäuser. Andererseits darf man sich keine Illusionen machen, wo das verkaufte Kokain größtenteils hinwandert: Über die Grenze Mexikos in die USA, wo es zum siebenfachen Preis verkauft oder zu Crack verarbeitet wird, das ohnehin schon ein Problem für viele sozial schwache Stadtviertel darstellt. Außerdem scheint sich ein Drogenmarkt rund um die relevanten Fischerdörfer selbst aufzutun, also jugendliche Drogensüchtige und damit eine erhöhte Kriminalität und sozialen Verfall zu erzeugen. Finanzieller Aufschwung der Fischerdörfer steht also gegen die Verbreitung von Kokain und Crack in den USA und vor Ort selbst. Ich komme hier zu keiner eindeutigen Bewertung des Problems, das ist wohl auch kaum möglich, wenn man einerseits den Fischern ihren nun höheren Lebensstandart gönnt und andererseits die Probleme von Drogensucht und Beschaffungskriminalität im Auge hat. Ein paar Päckchen Kokain, die nicht aus dem Meer geholt werden, werden wohl das Drogenproblem in den USA und Weltweit nicht lösen, schon gar nicht, solange die Nachfrage nach dem Zeug so hoch ist, aber hier geht es schließlich auch um die persönliche Einstellung und das Abwägen der unterschiedlichen Interessen. Ach, ich weiß auch nicht, entscheidet selbst, wie ihr die Story bewertet, ich komme zu keinem Ergebnis…

Ach ja, wenn einige Leser jetzt ganz spontan Lust bekommen haben, für ein paar Jahre nach Nicaragua zu reisen, steht dem prinzipiell nichts im Wege: nichts schlimmeres als Vulkanausbrüche, Erdbeben, Hurrikanegefährdung und hohe Kriminalität. Hier findet ihr alle Reiseinforationen für Nicaragua: http://www.guardian.co.uk/international/story/0,,2186573,00.html Eine gute Reise euch allen…

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Dass meine Assoziationen zum Feminismus (bierernste, hässliche, bulldoggenähnliche Frauen mit lila Latzhosen, Trillerpfeifen und bemalten Schildern) grundfalsch sind, zeigt mir diese Nachricht aus dem sonst so liberalen Schweden:

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,528259,00.html

Natürlich konnte die Redaktion von Spiegel Online unmöglich auf ein Bild verzichten, das fast nackte, blonde Frauen im Schwimmbad zeigt- Zur Illustration ist es sicher ganz nützlich, zum Beispiel für männliche ländliche Bewohner der Neuen Bundesländer, die ja mittlerweile gar nicht mehr wissen können, wie eine Frau eigentlich aussieht, aufgrund der in Scharen abwandernden Geschlechtspartner.

Interessant ist diese Meldung auf jeden Fall, aber auch schockierend! Ich hatte ja keine Ahnung, in welcher Weise Frauen mit Stoffallergie und Hang zum Exhibitionismus in Schweden unterdrückt werden. Dagegen muss etwas getan werden, ich möchte hiermit meine hundertprozentige Unterstützung für nackte versaute Schwedinnen äh freiheitsliebende nordische Frauenrechtlerinnen aussprechen. Eure Stimme verhallt nicht ungehört! Weg mit den Bikinis, diesem Ruf schließe ich mich an – die knappen Stoffstücke könnte man auch gesammelt in Krisenregionen wie Darfur oder Somalia schicken. Dort gibt es schließlich auch keine Feministischen Organisationen. Und die Menschen dort dürften über jedes gespendete Kleidungsstück froh sein.

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